Hang am Baum

Lucas Dülligen

Idee, Realisation und Konzept: 

Lucas Dülligen
Bildgestaltung und Konzept:

Jakob Gehrmann

Sound Design:

Helen Sezen Korkmaz

Ton:

Lucas Dülligen, Nils Herrmann

Tonmischung:

Julian Böckeler

Betreuung:

Prof. Oliver Schwabe
Solveig Klaßen

Produktion:

Lucas Dülligen, Kunsthochschule für Medien Köln

2024, 13:12 Min.

Mark Fisher beschreibt in seinem Buch „Das Seltsame und das Gespenstische“ das Seltsame als jenen Moment, in dem die Grenzen unserer vertrauten Wirklichkeit von etwas Fremdem, etwas nicht Erklärbarem durchbrochen werden.


(Text unten: Oliver Schwabe)

Idee, Realisation und Konzept: 

Lucas Dülligen
Bildgestaltung und Konzept:

Jakob Gehrmann

Sound Design:

Helen Sezen Korkmaz

Ton:

Lucas Dülligen, Nils Herrmann

Tonmischung:

Julian Böckeler

Betreuung:

Prof. Oliver Schwabe
Solveig Klaßen

Produktion:

Lucas Dülligen, Kunsthochschule für Medien Köln

                                                               .....

©Lucas Dülligen

Seltsam sind die Geräte, die sich in Lucas Dülligen Film „Hang am Baum“ urzeitlichen Tieren gleich durch eine in warmes Sonnenlicht getränkte Landschaft fressen. Die gigantischen Schaufelbagger wirken nicht nur fremdartig, sondern zerstörerisch: wie Wesen, die sich in die bestehende Welt hineingraben.


Fast 90 Sekunden lässt sich Lucas Dülligen Zeit, bevor er sie in seinem Film zeigt. Zunächst sehen wir das verlassene Camp der Aktivist*innen im Hambacher Forst: versteckte Baumhäuser zwischen Ästen und Blättern, eine Hängematte, ein leeres Versammlungszelt. Der jetzt menschenleere Ort als eine stumme Reaktion auf jenes Fremde, das sich unaufhaltsam durch die Landschaft frisst. Die von der Natur zurückeroberten Dörfer am Ende des Films zeigen dagegen die Folgen dieser Intervention. Zwischen ihnen liegt der Eingriff selbst.


Lucas Dülligens filmisches Triptychon konzentriert sich auf genau diesen Augenblick: Er greift den Moment auf, in dem das Fremde die Welt zwischen Dorf und Wald durchbohrt und bietet eine Perspektive an. Die nüchterne, sezierende Beobachtung wirkt dabei wie ein Brennglas. Sie dramatisiert nicht, sie erklärt nicht, sie urteilt nicht. Und gerade dadurch zwingt sie zum Hinsehen. Der sachliche Blick auf die Intervention dieser seltsamen Maschinen legt frei, was unter ihrer gewaltigen Erscheinung geschieht: die Zerstörung einer gewachsenen Ordnung, einer Landschaft, einer Region – und damit einer Welt.


Dülligen hält diesen Zustand auf grobkörnigem Filmmaterial fest – als Dokument eines Augenblicks, der verschwinden wird, und zugleich als Bild für die Zukunft. Das Material selbst widersetzt sich dabei der Flüchtigkeit: Film besitzt bereits eine erfahrbare Lebensdauer von mehr als 120 Jahren, während Festplatten unergründlich und lautlos abstürzen können. So bewahrt Dülligen nicht nur Bilder einer bedrohten Landschaft, sondern schreibt den Moment ihrer Verwandlung in ein Material ein, das sie möglicherweise überdauern wird. 


Etwas Tröstliches liegt im letzten Bild des Films. Am Horizont stehen Windräder. Fern und unbeeindruckt drehen sie sich jenseits der Reichweite der nimmersatten Schaufeln. Die Bagger können die Erde unter sich verschlingen. Den Horizont erreichen sie nicht.


Text:  Oliver Schwabe



Lucas Dülligen, 1994 in Düsseldorf geboren. Studium der Philosophie und Germanistik an der Heinrich-Heine-Universität. Seit 2021 Studium an der Kunsthochschule für Medien Köln. Tätig als Regisseur.


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